100 Jahre Gesangverein


Aus der Vereinsgeschichte

 

Von 1904 - 1979

 

Das Protokoll über die Gründerversammlung des „Gesangvereins Bergrheinfeld“ vom 9. Januar 1904 hält Namen, Vorstandschaft und Zielsetzung des Vereins fest:

 

„Unter Anerkennung der heute festgesetzten Statuten, welche in 50 Exemplaren durch Druck vervielfältigt und jedem Mitglied ausgehändigt werden sollen, versammelten sich heute die Unterzeichneten und gründeten einen Gesangverein unter den Namen ‚Gesangverein Bergrheinfeld’ „.

 

Dieselben bestätigten dies durch ihre Unterschrift:

 

Der Vorstand                             Ad. Ch. Schatzel

Der Direktor                              Andreas Rudloff

Der Kassier u. Schriftführer            Michael Wahler

Die Verwaltungsmitglieder    Georg Schmittfull und Johann Rösch

 

Wie ein feierliches Gelöbnis liest sich das von diesen Männern der ersten Stunde formulierte Vereinsanliegen: „Pflege und Übung des deutschen Männergesanges sowie edle gesellige Unterhaltung“.

 

Die Vorgeschichte des Vereins reicht weit in das vorige Jahrhundert zurück. Der Chronist des 50jährigen und Schirmherr des 75jährigen Gründungsfestes, Bürgermeister Karl Hussy, berichtet dazu:

 

„Hier muß das ‚Schäfleins-Haus’ genannt werden, in dem sich die begeisterten Sänger erstmals eingefunden haben, um sich zu erproben. Bekannt ist weiterhin das ‚Schmiedsmichels-Haus’ als eine Pionierstätte der Vorzeit. Eine im Privatbesitz befindliche Photographie aus dem Jahre 1902 zeigt uns in bärtiger Eintracht unsere Gesangspioniere.“

 

Der Gründungsvorsitzende Adam Christian Schatzel, geboren in Hofstädten bei Alzenau, im Jahre 1898 als „Cantor“ (2. Lehrer) nach Bergrheinfeld versetzt, stand dem Verein vier Jahre vor. Dann übernahm Andreas Rudloff, der bewährte Chorleiter der Gründerzeit, auch noch das Amt des Vorsitzenden (bis 1918). Die ersten drei Jahrzehnte der Vereinsgeschichte sind auf das engste Maß mit dem Namen Rudloff verbunden. Nach aufopfernder Tätigkeit für den Verein starb Andreas Rudloff am 13. Dezember 1924. Die Bergrheinfelder Sänger waren auf das Tiefste erschüttert. Im Protokoll zeugt folgender Satz von der Ratlosigkeit jener Tage: „Die Tragweite dieses Verlustes ist noch nicht abzusehen“. Doch da übernahm Josef Rudloff, ein jüngerer Bruder des Verstorbenen, den Taktstock und dirigierte den Chor mit Eifer und Umsicht bis zum Jahre 1934. Die „Appeli“, wie die Brüder Rudloff nach dem Namen ihrer Mutter Apollonia unter allseitiger Zuneigung genannt wurden, waren von Beruf Tünchner. Mit ihrem ausgeprägten Naturtalent haben sie überaus segensreich für den Verein gewirkt.

 

Nicht nur durch den Chorgesang, sondern auch durch gelungene Theateraufführungen erfuhr das kulturelle Leben Bergrheinfelds einen erfreulichen Auftrieb. Aus den erzielten Überschüssen konnte die Vereinskasse wiederholt Beträge bis zu 80 Mark für die damalige „Kinderbewahranstalt“ sowie für den Bau des Kriegerdenkmals zur Verfügung stellen. Dass es sich damit um für damalige Zeit recht ansehnliche Beträge handelte, zeigt ein Preisvergleich: 4 Maß Bier kosteten damals 96 Pfennige; für 80 Mark hätte man demnach 333 Maß Bier bekommen, was heute einem Wert von etwa 500 € entspräche.

 

Zur Pflege „edler geselliger Unterhaltung“, wie sie im Verein von 1914 lebendig war, berichtet der Chronist von Ausflügen mit geschmückten Pferdewagen nach Volkach und Wipfeld, wo man in St. Ludwig „mit den stimmgewaltigen ehrwürdigen Brüdern des Klosters in Sanges- und Zecherwettstreit trat“ – ein Stück der guten alten Zeit, in der es allerdings auch noch Brücken- und Pflasterzölle gab.

 

In den Vereinsniederschriften lesen wir letztmalig im Jahre 1913 von einer Versammlung: „Jetzt ist die Tagesordnung erschöpft, und man sang noch einige Lieder“. Dem so hoffnungsvollen Vereinsleben brachte der erste Weltkrieg (1914-18) eine über vierjährige schmerzliche Zäsur , in der auch so mancher Sänger für immer verstummte.

 

Nach Kriegsende wurde sehr rasch eine erneute starke Hinwendung zum Gesang lebendig. Sowie ein Quartett beisammen war, wurde wieder gesungen. Bald trafen sich bei „Kuhn im Postzimmer“ 20 bis 25 Sänger zu regelmäßigen Chorproben. Am 2. Weihnachtsfeiertag 1919 traten sie zum ersten Mal wieder öffentlich auf. In der Folgezeit kam auch das Laienspiel mehr und mehr zur Geltung, mit dem der Verein glänzende Erfolge erzielte.

 

Selbst die Inflation konnte die Lebenskraft unserer Gesangs- und Laienspielrunde nicht hemmen. Das belegt eine interessante Anmerkung im Protokollbuch: „Den schönen Betrag von 12.000 Mark erbrachte der Theaterabend mit Tanz am 7. Januar 1923...“.

 

In den 20er Jahren bestand auch ein gemischter Chor, der sich hören lassen konnte, doch durch einen Vereinsbeschluß vom 3. Februar 1927 wurde ihm mit 15 gegen 5 Stimmen die Angliederung versagt. Man sang fortan wieder „unter sich“.

 

Dem langgehegten Wunsch nach einer Vereinsfahne wurde in der Versammlung am 20. Januar 1928 entsprochen und deren Anschaffung beschlossen. Am 23. September 1928 wurde sie geliefert und am 8., 9. und 10. Juni 1929 feierlich geweiht. Die große Festveranstaltung im Rentamtsgarten gestaltete sich zu einem Höhepunkt des Vereinsgeschehens. Es wurden 26 Gastvereine in einer Stärke von 681 Mann gezählt.

 

Die Einführung des neuen Pfarrers Dr. Fleckenstein im Jahre 1929 leitete eine erfreuliche Folge ideeller und finanzieller Zuwendungen für kirchliche Belange ein. So wurden für die Kirchenrenovierung wiederholt namhafte Beträge aus der Vereinskasse gestiftet; der von Theater- und Gesangsabenden immer wieder beachtliche Reinerlöse zuflossen.

 

Harte Proben hatte der Verein in der Zeit des nun folgenden politischen Umbruchs zu bestehen. Doch dank des Einsatzes besonnener Männer konnten diese Krisenzeiten ohne schwerwiegende Schäden überwunden werden. Im Jahre 1938 konnte der Verein 29 aktive und 22 passive Mitglieder an den Deutschen Sängerbund (DSB) melden. Im gleichen Jahr wurde auch ein Klavier beschafft. Noch kurz vor dem zweiten Weltkrieg hielt der Verein ein gelungenes Waldfest ab.

 

Das katastrophale Kriegsgeschehen 1939-45 drängte dem Verein die zweite große Zwangspause auf. Zwar wurde in den ersten Kriegsjahren immer noch gesungen und gespielt, vor allem wenn sich die Heimaturlauber zur Verstärkung bereitfanden. Die totale Kriegsführung brachte jedoch das Vereinsleben fast ganz zum Erlöschen. In einem Rückblick heißt es: „Die Tätigkeit des Vereins war sehr gering. Sie beschränkte sich vorwiegend auf die Ehrung von Gefallenen und Verstorbenen“.

 

Als am 29., 30. und 31. Mai 1954 der Gesangverein Männerchor sein 50jähriges Gründungsfest feierte, hatten beachtliche Erfolge im Chorgesang zu neuem Ansehen in der Öffentlichkeit geführt. Die Nachwuchssorgen unserer Tage gab es vor 25 Jahren nicht. Die Festschrift 1954 klinge mit folgenden hoffnungsvollen Sätzen aus: „... Neue und vor allem viele junge Kräfte haben in den letzten Jahren den Chor erfreulich gestärkt. Er vereint die alten, treubewährten Sänger mit der Schar jüngerer, sangesfroher Menschen, die in edlem Einsatz bemüht sind, das deutsche Lied zu pflegen und sich in der Gesellschaft von Mensch zu Mensch wieder nahe zu kommen. Mit fester Zuversicht glauben wir daher an eine blühende Zukunft“.

 

Das 50jährige Gründungsfest war nicht allein für den Jubelverein, sondern für die gesamte Gemeinde ein eindrucksvolles Ereignis. Im Festprotokoll heißt es u.a., dass „führende Männer des geistlichen und politischen Lebens“ feststellten: „So schön war Bergrheinfeld noch nie geschmückt!“. Ein etwa 1.000 Personen fassendes, festlich geschmücktes Zelt rettete das Fest vor den zahlreichen Gewittergüssen jener Tage. Trotz der ungünstigen Witterung nahmen 28 Gast- sowie alle Ortsvereine an dem stattlichen Festzug teil, von dem berichtet wird, dass seine Spitze bereits auf dem Festplatz (TSV-Sportplatz) eintraf, während sein Ende noch am Ausgangspunkt in der Rothmühlstraße warten mußte.

 

Insgesamt wurde etwa 4.000 Festbesucher geschätzt. Der Festausschank belief sich trotz der Wetterunbilden auf 33 hl Bier. Die Vereinsleitung, an der Spitze 1. Vorstand Eduard Vogt und Chorleiter Walter Fiedler sowie der bewährte Festleiter Franz Pfeuffer, konnten ihren 3 Ehrenmitgliedern, 42 aktiven und 55 passiven Mitgliedern eine erfreuliche Bilanz vorlegen. Kassier Adolf Popp berichtete von einer Vereinsbarschaft in Höhe von 1.153,84 DM.

 

Auch die folgenden 25 Vereinsjahre sind vom Geist der Gründerzeit geprägt. Es muss als glückliche Fügung gewertet werden, dass einer der treuesten Hüter des alten Pioniergeistes über die Schwelle des 50jährigen Bestehens hinweg wirksam bleiben konnte: Josef Rudloff, Gründungsmitglied und Ehrendirigent, der jüngere der eingangs erwähnten „Appeli“. Die Vereinsgeschichte wird vor allem seinen Einsatz als Chorleiter (1925-34) ein ehrendes Gedenken bewahren. Sein Tod am 19. September 1955 erfüllte alle Bergrheinfelder mit aufrichtiger Trauer.

 

Die guten Prognosen unserer Festzeitschrift zum 50jährigen Bestehen fanden vielfach erfreuliche Bestätigung. Immer wieder regten sich dynamische Kräfte, welchen die gewachsene Vereinstradition mit neuen Impulsen belebten.

 

Durch Vermittlung unseres Sangesbruders Franz Pfeuffer übernahm unser Verein die Patenschaft beim „Liederkranz Schmalwasser“ und beteiligte sich an dessen Gründungsfeierlichkeiten am 2. und 3. Juli 1955 mit gelungenen Chorbeiträgen. Als Patengeschenk wurden eine Tischstandarte und 30 fränkische Liederbücher überreicht. Zum jungen Verein wurden enge freundschaftliche Bande geknüpft. Die gegenseitigen Besuche zählen zu den schönsten Erlebnissen beider Vereine. Noch im gleichen Jahr arbeitete 2. Vorstand Karl Hussy neue Satzungen aus, die von der Generalversammlung einstimmig angenommen wurden und zugleich als Mitgliedsausweise ausgegeben wurden.

 

Das gutbesuchte Stiftungsfest verpflichtete unseren Chor zu zahlreichen Gegenbesuchen. Intensive Proben mit dem zielstrebigen Dirigenten Walter Fiedler (1952-65) brachten den Bergrheinfelder Sängern beachtliche Erfolge in der näheren und weiteren Umgebung. Auch zur Ausschmückung von Festen und Veranstaltungen örtlicher Vereine und Einrichtungen konnte der Männergesangverein wertvolle künstlerische Beiträge leisten, z.B. anlässlich des TSV-Gründungsfestes und der Kindergarteneinweihung 1957 oder der Weihe der Kriegergedächtnisstätte 1960. Im Rahmen eines Wertungssingens am 15. Oktober 1961 in der Aula der Berufsschule in Schweinfurt kamen die Wertungsrichter zu folgendem Urteil: „Chor und Dirigent können sich bei solchem Können und solcher Disziplin getrost an noch schwierigere Aufgaben wagen“. Darüber konnten sich die 35 Aktiven freuen.

 

„Pflege und Übung des deutschen Männergesangs“  und „edle gesellige Unterhaltung“ wurden nach alter Vereinstradition fortgesetzt. So berichtet der Chronist von Chor- und Liederabenden, von Frühlings- und Standkonzerten, von Cäcilien- und Nikolaus-Fey-Feiern, von bunten Abenden, Herbst- und Faschingsbällen, Schlachtschüsseln und Vatertagswanderungen. Die geschmückten Pferdewagen aus der Zeit von 1914 waren zwar durch stattliche Omnibusse oder gar Maindampfer ersetzt und die Ziele der geselligen Fahrten vom Wipfelder Klostergemäuer und der Mainschleife in die entfernteren Weinlagen (Rhein), in den Steigerwald, den Spessart, die Rhön oder in die Fränkische Schweiz verlegt worden, doch waren die ursprünglichen Absichten, Gesang und Geselligkeit zu pflegen, gleichgeblieben.

 

Die bunte Palette von Veranstaltungen zeugt auch von reger Öffentlichkeitsarbeit. Dass solche Anstrengungen nicht immer gebührend honoriert wurden, lässt der Protokollführer durchblicken, wenn er sich 1958 über den „sehr mäßigen Besuch derartiger Veranstaltungen“ beklagt. Umso erfreulicher ist der Bericht über die drei Kirchweihtage 1964, die den Kassenbestand auf 2.803,57 DM erhöhen konnten. „Der Festausschank, den der Verein in bewundernswerter Zusammenarbeit aller aktiven und teilweise der passiven Mitglieder durchführte, brachte einen guten finanziellen Erfolg“ (aus dem Protokoll der Generalversammlung vom 5. Januar 1965).

 

Eine dem aktiven Gesang abholde Zeit mit ihrer technisierten und konservierten Musik wirft ihre Schatten voraus. Bereits im Erfolgsjahr 1961 – wir denken an das gute Abschneiden beim Wertungssingen – ist bereits eine ernste Sorge um den Nachwuchs zu spüren. Es kommt in den Jahren 1963-65 zu einer ähnlichen Situation wie in den 20er Jahren. „In der Sorge um aktiven Nachwuchs wurde ein gemischter Chor ins Leben gerufen. Nach einem guten Anlauf musste jedoch festgestellt werden, dass etliche Frauen wieder abfielen“ (aus dem Protokoll vom 20. Juni 1964).

„In der weiteren Diskussion beschloss die Versammlung, den gemischten Chor, der in seiner Besetzung viel zu schwach war, als erloschen zu betrachten“ (aus dem Protokoll vom 5. Januar 1965).

 

Wie schwerwiegend das Nachwuchsproblem wurde, zeigt folgender Eintrag vom 4. Dezember 1965: „...Es geht um das Weiterbestehen unseres Chors“. Nach ausgedehnter Diskussion beschlossen die 31 versammelten Mitglieder, in jener entscheidungsschweren Stunde: „Es wird weitergehen!“ Es galt durchzuhalten, auch mit schwacher Chorbesetzung. Der Jahresbericht 1966 sagt darüber aus: „Im verflossenen Jahr hatten wir 30 Singstunden, die leider nur von 18 Sängern im Durchschnitt besucht waren.“

 

Das Jahr 1965 brachte dem Verein gleich zwei personelle Veränderungen. Am 3. Mai 1965 wurde im Rahmen eines Chorkonzertes der seit 1953 erfolgreich tätige Dirigent Walter Fiedler verabschiedet. Die Nachfolge bereitete dem Chor neue Sorgen. Vorübergehend konnten Roland Kolb aus Grafenrheinfeld und Lehrer Winfried Full gewonnen werden, doch erst 1967 kam es zu einer dauerhaften und, wie es sich bewiesen hat, zu einer glücklichen Lösung, als sich Chorleiter Herbert Wiesenberger unserem Verein zur Verfügung stellte und ihm bis zur Gegenwart die Treue hielt.

 

Die zweite Veränderung betrifft die Vorstandschaft. Nach 16jähriger segensreicher Tätigkeit konnte der 1. Vorstand Eduard Vogt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht mehr weiterführen. Er wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorstand ernannt und am 2. April 1966 anlässlich einer Gemeinschaftsveranstaltung des Männerchors, des Musikvereins (Jugend- und Seniorenkapelle) und der Julius-Echter-Schule (Schülerchor und Instrumentalgruppe) besonders geehrt. Seine Nachfolge trat Sebastian Rudloff an, der das Amt des 1. Vorstands bis 1970 und anschließend das des 2. Vorstands bis heute einsatz- und verantwortungsfreudig bekleidete. Seit 19. Dezember 1970 leitet Paul Kolb mit Umsicht und Geschick den Verein.

 

Das letzte Jahrzehnt unseres Vereinslebens ist erfüllt von einer rührigen, in der Öffentlichkeit anerkannten Chortätigkeit, angefangen von der Mitwirkung bei kirchlichen Feiern, wie z.B. der Kirchenweihe St. Bartholomäus (1970), der Primiz von Kaplan Grumbach (1975), bei Metten und Osterfeiern, über die seit 1966 gemeinsam mit dem Musikverein und dem Vokalquartett Schweinfurt durchgeführten Frühlingskonzerten bis hin zu den geselligen Veranstaltungen, wie sie bereits angesprochen wurden. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich neuerdings die Scheunenfeste, die eine zünftige Art geselligen Beisammenseins darstellen. Hinzu kommen alljährlich Ständchen für Silberne und Goldene Hochzeiten von Vereinsmitgliedern, für Vereinsjubilare und leider nur zu oft auch Valets am Grabe. 1975 riss der Tod gleich drei aktive Sänger und ein passives Mitglied aus unseren Reihen.

 

Die Vorstandschaft war bestrebt, die Verbindung zu den Dachorganisationen des Vereins, zum Fränkischen und Deutschen Sängerbund, zu pflegen. Sie entsandte regelmäßig Delegationen zu den einschlägigen Veranstaltungen und Sängertagen, z.B. auch 1976 zum Deutschen Sängerfest in Berlin. Chorauftritte bei zahlreichen Freundschafts- und Wertungssingen brachten dem Verein und seinem Dirigenten volle Anerkennung.

 

Können wir im Jubeljahr 1979 – wie vor 25 Jahren – mit fester Zuversicht an eine blühende Zukunft unseres Vereins glauben? Die Voraussetzungen wären gegeben, wenn wir, wie damals, vermelden könnten, dass viele junge Kräfte den Chor verstärkt haben. Das ist leider noch nicht gelungen! Nachwuchs zu gewinnen bleibt die große Aufgabe dieser Tage. Möge das 75jährige Gründungsfest dazu beitragen, dass viele junge, begeisterte Sänger in unseren Chor einstimmen und dass sich in unserer Gemeinde Bergrheinfeld sangesfrohe und gesellige Menschen weiterhin wohlfühlen!

 

In der Festschrift 1979 anlässlich des 75jährigen Gründungsfestes schloss Karl Schöner seine Ausführungen mit den Worten: „Möge das 75jährige Gründungsfest dazu beitragen, dass viele junge, begeisterte Sänger in unseren Chor einstimmen und dass sich in unserer Gemeinde Bergrheinfeld sangesfrohe und gesellige Menschen weiterhin wohlfühlen“. Dieser Wunsch unseres Mitgliedes und früheren 2. Bürgermeisters war auch der Wunsch aller Vereinsmitglieder in den letzten 25 Jahren und hat viel zur Erfüllung beigetragen.

 

Das 75jährige Jubiläum vom 22.-25. Juni 1979 unter der Schirmherrschaft von 1. Bürgermeister Karl Hussy war ein unvergessliches Erlebnis für alle Einwohner in Bergrheinfeld, Garstadt sowie Freunden des Gesangs aus nah und fern. Der Gesangverein war der erste Veranstalter auf dem neuen Festplatz „Holderhecke“.

 

Ein 3.000 Personen fassendes Festzelt bildete eine imponierende Kulisse für die zahlreichen Besucher. Beim feierlich gestalteten Festakt am Samstag waren 15 Chöre anwesend, während sich am Sonntag 44 Vereine am großen Festzug beteiligten. Alle Chöre brachten Liedvorträge in der Schule Holderhecke dar.

 

Unvergesslicher Höhepunkt am Montag war das festlich geschmückte Sechser-Gespann der „Binding Brauerei“ mit sechs Original-Brauereipferden, die einen traditionellen Bierwagen durch die gesamte Ortschaft zum Festplatz zogen. Anscheinend schien auch Petrus dem Verein gar wohlgesonnen zu sein und schickte den frohgelaunten Sängern ungetrübtes Kaiserwetter an allen 4 Festtagen, das schließlich dazu beitrug, alle bisherigen Feste zu übertreffen. Man zählte mehr als 10.000 Besucher, an die insgesamt 98 hl Festbier ausgeschenkt wurden. 1. Vorstand Paul Kolb und Chorleiter Herbert Wiesenberger konnten ihren 28 aktiven und 57 passiven Mitgliedern eine erfreuliche Bilanz vorlegen, und Kassier Adolf Popp konnte mit den Einnahmen mehr als zufrieden sein. Da unser Patenverein, der Gesangverein Oberndorf, nicht mehr bestand, konnte als Patenverein die Sängerlust 1867 Schweinfurt gewonnen werden.

 

Von 1979 bis heute

 

Die nächsten 25 Jahre sollten zeigen, dass im Verein viel bewegt wurde. So hat Vorstand Paul Kolb mit seiner Tatkraft und einer, in den letzten Jahren auch mit jüngeren Leuten besetzten und bewährten Vorstandschaft es verstanden, den Verein zu hoher Blüte zu führen. Als Verbindungsmann zum Fränkischen und Deutschen Sängerbund hat der Verein mit Vorstand Paul Kolb einen unermüdlichen Mann in seinen Reihen. Paul Kolb war vom 5.11.1979 bis 16.11.1986 Gruppenvorsitzender der Gruppe Schweinfurt-Land und wurde am 5.12.85 zum 1. Vorsitzenden des Sängerkreises Schweinfurt gewählt, der 195 Vereine umfasst. Diesen Vorsitz führt er bis heute. Seit April 1994 ist er außerdem noch Präsidiumsmitglied im Fränkischen Sängerbund. Stellvertretender Gruppenvorsitzender der Sängergruppe Schweinfurt-Land ist seit dem 23.11.1997 2. Vorstand Heinz Vogt.

 

Am 3.5.1965 fand erstmals das Frühjahrskonzert, das gemeinsam mit dem Musikverein Bergrheinfeld gestaltet wurde, in der Turnhalle der Grundschule statt. Später wurde der Veranstaltungsort in die Aula verlegt und seit 15 Jahren treffen sich Veranstalter und Publikum in der Turnhalle Holderhecke. Die Frühjahrskonzerte bilden einen wesentlichen Bestandteil des kulturellen Lebens und locken regelmäßig ein Publikum von 400-500 Besuchern. 1978 trug erstmals der Katholische Kirchenchor zu Programmgestaltung bei, und von 1980 bis 1998 erfreute auch der Evangelische Kirchenchor das Publikum, bis dieser seine sängerische Tätigkeit mangels Sängerinnen und Sänger aufgeben musste. Der Kinderchor wirkte erstmalig 1981 mit. Bis 2002 haben musik- und gesangpflegende Vereine beim Frühjahrskonzert gemeinsam mitgewirkt. Die gesangpflegenden Vereine halten weiterhin ihr Frühjahrskonzert traditionell am Palmsonntag, wo 2003 der neu gegründete Chorissimo-Chor sein Stelldichein gab.

 

Am 16.12.1984 fand das erste Adventskonzert in der St. Bartholomäuskirche statt. Es wurde 1998 zum letzten Mal durchgeführt. Am ersten Faschingszug im Jahre 1981 beteiligte sich der Gesangverein mit einem Wagen und einer Fußgruppe. Seither werden jedes Jahr in der „fünften Jahreszeit“ Mottos rund um den Gesang für dieses Spektakel ausgewählt.

 

Statt der sonst üblichen „Wadfeste“ veranstaltete der Gesangverein am 13. und 14. Juni 1987 erstmalig ein Brunnenfest mit Abendserenade im Zehnthof. Dieses wurde später im zweijährigen Turnus abwechselnd mit dem Musikverein durchgeführt und stellt eine außerordentliche Bereicherung des kulturellen Lebens in Bergrheinfeld dar.

 

Der Besuch vieler Sängerfeste und Liederabende sowie das „Ständchensingen“ bei Geburtstagen und diversen anderen Anlässen zeigt die Rührigkeit des Vereins. Am 29.4.1990 war der Verein Ausrichter der Bundestagung des Fränkischen Sängerbundes mit Präsidiumssitzung. In der Turnhalle Holderhecke wurde die neue Vorstandschaft gewählt. 1991 gab Herbert Wiesenberger aus gesundheitlichen Gründen seine Chortätigkeit auf. Zur Überbrückung hatte sich Christine Rösch bereit erklärt, den Chor zu übernehmen. Im Septemer 1993 konnten wir mit Adrian Georg Micsa einen neuen dynamischen Chorleiter verpflichten, der es versteht, Jung und Alt zu begeistern.

 

Ab 1980 brach man auch des öfteren zu mehrtägigen Reisen auf. Sie brachten unternehmungslustige aktive und passive Mitglieder nach Berlin, Hamburg, Wien oder Kärnten (um nur einige Ziele zu nennen) und waren immer ein besonderes Erlebnis, bei dem Geselligkeit und Gesang stets großgeschrieben wurden. Sängertreffen mit anderen Chören bildeten die Basis für spätere Freundschaften.

 

1981 war der Gesangverein Männerchor auch erstmals Ausrichter der Bergrheinfelder Kirchweih am Festplatz Holderhecke. 1989 und 1998 folgten weitere „Kermtage“ mit den geselligen Sängern als Gastgeber.

 

Am 26.8.1981 verstarb unser Ehrenvorstand Eduard Vogt. Sein Tod hinterließ eine schmerzliche Lücke im Vereinsgefüge. In Würdigung seiner großen Verdienste wurde 1981 Sebastian Rudloff zum Ehrenvorstand ernannt. Er bis zu seiner Erkrankung aktiver Sänger. In tiefer Trauer begleiteten wir ihn am 17. Februar 1990 zur letzten Ruhestätte. Adolf Popp war von 1952-1994 insgesamt 42 Jahre 1. Kassier des Vereins. In Anbetracht seiner geleisteten Arbeit ernannte man ihn 1994 zum Ehrenmitglied.

 

Der Kinderchor, der 1981 unter Chorleiter Karl Lahm gegründet wurde, ist dem Gesangverein Männerchor angeschlossen. Seit 1985 leitet Hildegard Witzel den Kinderchor. Sie versteht es seitdem immer wieder, schon die Kleinsten für den Chorgesang zu begeistern und führt auch anspruchsvolle Musicals auf. Ihr gebührt der besondere Verdienst für diesen Chor, denn sie hat es immer wieder verstanden, begeisterte kleine Sängerinnen und Sänger um sich zu scharen, deren Gesang auf besondere Weise viele Herzen rührt. Im Jahre 2001 gab sich der Chor den Namen „Cantonino“. Im Jahre 2002 wurde der junge Chor als eigene Abteilung innerhalb des Gesangvereins gegründet. Er gab sich am 23.11.2002 beim ersten öffentlichen Auftritt, dem Liederabend in der Aula der Hauptschule Holderhecke, den Namen „Chorissimo“. Dieser Chor unter der Leitung seiner Dirigentin Yvonne Seubert singt vorwiegend moderne Werke und rundet somit das Gesangsrepertoire in Bergrheinfeld auf gelungene Weise ab.

 

Das Jubeljahr 2004 mit vielen Spannungen in einer bewegten Welt am Anfang des 3. Jahrtausends stellt an uns die Frage:

Wie wird es weitergehen im Verein? Wird im Zeitalter der Computer und Firmenschließungen sowie angesichts der großen Arbeitslosigkeit auch künftig der Chorgesang in hoher Blüte stehen? – Ich glaube ja! Krisenzeiten hatte es und wird es immer wieder geben, Chorsängerinnen und Chorsänger ebenfalls. Wir sangesfrohe Vereinsmitglieder sind gefordert, die Leute für das Lied, für den Gesang zu gewinnen und mit dazu beizutragen, dass sich jeder im Verein wohlfühlt. So können wir zum 100jährigen Jubiläum eine stolze Zahl von aktiven Sängerinnen und Sängern vorweisen. Gehen wir hoffnungsfroh und zuversichtlich ins Jubiläumsjahr!



Unsere Chronik


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